30.07.2019

Emissionshandel

Emissionshandel – Wort des Tages – EVS Translations
Emissionshandel – Wort des Tages – EVS Translations

Manche glauben an den vom Menschen gemachten Klimawandel, andere zweifeln daran – aber in einem sind wir uns wohl alle einig: niemand will in einer verschmutzten Umwelt leben. Da sind zwar all die kleinen Schritte, die jeder von uns täglich tun kann, beispielsweise Abfall aufsammeln und Recycling, doch die größeren Probleme verlangen nach großen Lösungen. So kann man sich beispielsweise ein effizienteres Hybridfahrzeug oder effizientere Haushaltsgeräte kaufen; geht es aber um Veränderungen einer ganzen Branche, in einem Land oder auf internationaler Ebene, kommen häufig Systeme wie der Emissionshandel ins Spiel, und damit sind wir bei unserem heutigen Wort des Tages.

Emissionshandel, auch bekannt unter dem Schlagwort „cap and trade“, soll die Verschmutzung unserer Atmosphäre senken, wozu von der Regierung Genehmigungen für die Emission einer bestimmten Schadstoffmenge in einem bestimmten Zeitraum erworben werden müssen.

Zerlegt man das Wort in seine Bestandteile, so findet man das Gerundium (Substantiv, das eine Handlung ausdrückt) des Wortes handeln, vom mittelniederländischen oder mittelniederdeutschen Wort Handel, ‚Weg oder Kurs (z. B. eines Frachtschiffes)‘, das erstmals in Zusammenhang mit dem Kauf und Verkauf von Waren, Rohstoffen und Dienstleistungen in einem Werk von E. Bonner, Bischof von London, erwähnt wurde, wo er 1556 folgendes schrieb: “An honest godly instruction, and information for the trading, and bringing up of Children.” Der zweite Teil des Wortes – bei dem wir erfahren, was genau gehandelt wird – ist das Substantiv Emission, das seine Wurzel in dem lateinischen Ausdruck ex mittere, ‚aussenden‘, hat. Erstmals wurde es in Zusammenhang mit etwas Unberechenbarem erwähnt, beispielsweise Licht, Wärme, Gase, anfänglich sogar der Seele, und zwar von dem Philosophen und Wissenschaftler Francis Bacon, der etwa 1626 in seinem Werk Sylva Aylvarum; or, A Naturall Historie, schrieb: “Tickling also causes Laughter. The Cause may be, the Emission of the Spirits.”

Für unser heutiges modernes Verständnis des Begriffes Emission lässt sich dieser, insbesondere bezogen auf einen Schadstoff oder ein in die Atmosphäre abgegebenes Treibhausgas (typischerweise aufgrund einer menschlichen Handlung), zurückverfolgen bis zur Ausgabe des Journal of the Air Pollution Control Association von 1966, in der man die Überschrift: “Emissions from carbureted and timed fuel injected engines” finden kann. Geht man einen Schritt weiter, dann tauchte der Gedanke des Emissionshandels zum ersten Mal am 13. Dezember 1978 in der Branchenzeitschrift Chemical Week auf. Dort hieß es: “Among restrictions of the program are the requirement that only the same pollutant can be exchanged, and in certain categories, a ban on emissions trading.”

Obwohl der erste Nachweis des Begriffs erst in Ende 1978 auftauchte, war der zugrundeliegende Gedanke zu diesem Zeitpunkt schon lange nichts Neues mehr: in einer Reihe von Computersimulationen, die von Ellison Burton und William Sanjour für die U.S. National Air Pollution Control Administration (Vorläufer der Umweltschutzbehörde) von 1967 bis 1970 durchgeführt wurden, hatte sich der Nutzen des Konzepts bestätigt. Statt für Unsicherheiten zu sorgen, indem man Industrie und Wirtschaft durch unflexible Umweltschutzvorschriften willkürliche Kürzungen aufzwingt, will man mit diesem System im Wesentlichen die Vorstellungen der freien Marktwirtschaft mit einer effizienten Zuteilung der Ressourcen in Einklang bringen, die Reduzierung von Schadstoffen unterstützen und die Auswirkungen auf die Wirtschaft minimieren, nach dem Prinzip, dass sich mit weniger oft mehr erreichen lässt. In der Praxis kann man die Wirksamkeit eines solchen Systems beim Handel mit saurem Regen (bezogen auf Stick- und Schwefeloxide) beobachten. Bei diesem aus dem Vorschlag eines Umweltverteidigungsfonds, der im U.S. Clean Air Act von 1990 enthalten war, entstandenen System konnten die Emissionen bereits im ersten Jahr der Anwendung um 3 Millionen Tonnen gesenkt werden.

Konzeptionell bietet zumindest die Logik hinter den Emissionsrechten eine Reihe von Vorteilen. In erster Linie gibt sie Einzelpersonen und Regierungen Informationen an die Hand und sorgt für Transparenz – man kann ganz klar feststellen, wer welche Fortschritte bei der Emissionssenkung macht, und, was noch wichtiger ist, wer nicht. Zweitens schafft man dadurch eine neue wirtschaftliche Ressource für Unternehmen und Industrie, weil überschüssige Emissionsrechte gegen Gewinn an andere Unternehmen/Industrien verkauft werden können. Und drittens hofft man, dadurch innovatives Denken und die Einführung saubererer und effizienterer Energieformen oder Produktionsmittel anzukurbeln, um nicht von Emissionsrechten abhängig zu sein.

Natürlich ist kein System perfekt: auch hier gibt es sowohl Vor- als auch Nachteile, und beim Emissionshandel liegt der Teufel im Detail. Denn Innovationen und deren Umsetzung kosten Geld, ähnlich wie bei den neuen Energien, und so könnte ein – leider bedauerliches – mögliches Resultat eine Preiserhöhung bei Waren und Dienstleistungen sein. Speziell für relativ etablierte Industrien könnten hier die zusätzlichen Kosten niedriger sein als bei einer kompletten Umstellung auf eine alternative Energiequelle, auch bei Berücksichtigung der Kosten für die Emissionsrechte und der Bußgelder für eine Überschreitung des Deckels. Und wie bei jedem anderen System muss man auch hier die Kosten für eine Kontrolle, ganz zu schweigen von den Betrugsfällen, erwähnen: man würde ganz einfach eine Armee von Analysten, Forschern und Kontrollgeräten brauchen, um zu überprüfen und sicherzustellen, dass sich alle jederzeit an die Regeln halten.