25.06.2019

Konsistenz

Konsistenz – Wort des Tages – EVS Translations
Konsistenz – Wort des Tages – EVS Translations

Es mutet eher ironisch an: Obwohl das heutige Wort ausdrücklich beschreibt, wie Dinge sein sollten, spottet es seiner eigenen Beschreibung durch seine zahlreichen Definitionen, die alle Varianten desselben Konzepts sind und unterschiedlich angewendet werden. Doch neben dieser sehr philosophischen Aussage beschreibt das heutige Wort etwas, auf das wir angewiesen sind, obwohl wir es eigentlich nur dann bemerken, wenn es uns fehlt. Zollen wir also heute einem Wort Tribut, das durch seinen sicheren Stand dafür sorgt, dass unsere Tage reibungslos verlaufen, aber das dennoch häufig übersehen wird: die Konsistenz.

Unser Begriff Konsistenz stammt aus dem Mittellateinischen consistentia (zusammenstehen) und entstand als Kompositum aus der Vorsilbe com und dem Infinitiv sistere (aus dem Verb sto/stare) und bedeutet somit wörtlich „stehen mit“.

Die erste Verwendung dieses Wortes Sinne von „zusammen stehen“ findet sich im Werk des Autors landwirtschaftlicher Schriften und Erfinders Hugh Plat, der den Begriff in seiner Schrift aus dem Jahr 1594 „The Jewell House of Art and Nature“ im Abschnitt „Chemical Conclusions Concerning the Art of Distillation“ zur Bezeichnung des Zustandes verwendet, in dem eine Art von Materie in einer fassbaren Form zusammenhält oder „zusammensteht“ (man denke hier an die Konsistenz von Wackelpudding oder Götterspeise). Er schreibt: „Boie the same..unto a stiffness, or consistency (as they term it).” (Kochen Sie das Ganze, bis es eine Steifigkeit oder Konsistenz erreicht hat (wie sie es nennen).

Über 60 Jahre nach dieser ersten belegten Verwendung wurde der Begriff in einer breiteren und bekannteren Verwendung eingeführt, nämlich im Sinne von mit etwas vereinbar sein oder im Einklang stehen. Im Jahr 1659 notierte der Abgeordnete für Westmorland Thomas Burton in seinem Diary: „Whether you are in a good consistency and right understanding between you and the Chief Magistrate, or not.” (Unabhängig davon, ob zwischen Ihnen und dem Richter eine gute Konsistenz und ein gutes Verständnis besteht oder nicht).

Der englische Kurat und Historiker Thomas Fuller wandelt die anfängliche Bedeutung des Begriffs ein wenig ab, indem er ihn zur Beschreibung eines bestimmten Grades von beispielsweise Dichte oder Viskosität verwendet. Im Jahr 1661 schreibt er „Before the Alum could be brought to its true consistency” (Bevor der Alum zu seiner wahren Konsistenz gebracht werden konnte) in seinem posthum veröffentlichten Werk The History of the Worthies of England.

Wie zu erwarten war wandelte sich die bisherige Bedeutung des Wortes im Sinne von statisch, harmonisch und spezifisch zur Beschreibung einer Sache als beständig oder unveränderlich (als Zustand), wie an dem folgenden Satz zu erkennen ist, der aus dem Werk des Richters und Juristen Matthew Hale The Primitive Origination of Mankind (1677) stammt: „Aristotle..supposeth it [the world] Eternal, and an eternal consistency in the state it now stands“ (Aristoteles…nimmt an, dass sie [die Welt] ewig ist, und eine ewige Konsistenz in dem Zustand, in dem sie sich jetzt befindet). The Primitive Origination of Mankind.

Doch ab 1690 wurde unser Wort mehr im übertragenen Sinne und allgemeiner verwendet. Der erste diesbezügliche Nachweis findet sich in der Schrift des Merkantilisten und Direktors der East India Company Sir Josiah Child A Discourse about Trade, in der er es im Sinne eines Zustandes oder einer Qualität verwendet, wenn er beobachtet, dass „[It] brought their People to that consistency of Wealth, that..there are more Lenders now than Borrowers.” ([Es] brachte dem Volk die Konsistenz des Reichtums, sodass … es jetzt mehr Verleiher gibt als Schuldner.)

Etwa zwei Jahrzehnte später benutzte der Historiker, Geistliche und Biograph John Strype den Begriff in seinen Abhandlungen zur Reformation zur Beschreibung einer Art von Zusammenhalt oder Form des universellen Verständnisses, wie aus folgendem Zitat hervorgeht: „By which time it arrived to a good consistency and establishment.” (Bis zu diesem Zeitpunkt hatte es eine gute Konsistenz und Etablierung erreicht). (Annals of the Reformation).

Zur Beschreibung einer menschlichen Eigenschaft, wie beispielsweise stets ein angenehmes Naturell an den Tag zu legen oder immer ein starkes Arbeitsethos zu zeigen, wurde unser Wort erstmals im Jahr 1715 vom bekannten Essayisten Joseph Addison in seiner politischen Zeitung The Freeholder verwendet. Er schreibt: „That Consistency of Behaviour, whereby He inflexibly pursues those Measures which appear the most Just and Equitable.” (Diese Konsistenz des Verhaltens, wobei er unbeugsam die Maßnahmen verfolgt, die am gerechtesten und billigsten erscheinen) in einem sagenhaften Artikel aus der Regency-Ära mit dem Titel „An Answer to a Pamphlet Entitled, an Argument to Prove the Affections of the People of England to Be the Best Security of the Government. by the Author of the Free-Holder”.

Und zu guter Letzt impliziert das heutige Wort in seinem vielleicht allgemeinsten Sinne – und dem, mit dem wir wahrscheinlich am vertrautesten sind – einfach die Gesamtqualität, in sich selbst konsistent zu sein, d. h. in allen Teilen zu funktionieren oder übereinzustimmen. In dieser Bedeutung wurde unser Wort ursprünglich vom Philosophen und Sozialreformer Jeremy Bentham gebrauchte in seiner Defence of Usury (1787), einer Zusammenstelllung von Briefen an den angesehenen schottischen Ökonom, der sich wie folgt äußert: „If that consistency were to be found in the common law,..compound interest never could have been denied.” (Wenn diese Konsistenz im Common Law gefunden werden würde, …. hätten die Zinseszinsen niemals geleugnet werden können.